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Alcan/Constellium & Nycomed – Spielball des Kapitals! Wird die Politik die Arbeitsplätze retten?

Kommen Sie zu unserer Diskussionsrunde am Donnerstag den 09.06.2011 um 19:30 Uhr, im Gasthaus Kreuz.

Unternehmen wie Alcan/Constellium, Nycomed und viele andere in unserer Region zählen mittlerweile zur Großindustrie. Sie sind international aufgestellt und gehören meist zu einem Konsortium. Dieses steuert die einzelnen Unternehmen in der ganzen Welt, um die Unternehmensziele zu erreichen. Dabei sind regionale Interessen immer weniger von Bedeutung.

Grundsätzlich kann man sagen, dass es in diesem Bereich immer weniger Familien-Unternehmen gibt, die sich auch gegenüber ihren Mitarbeitern verpflichtet fühlen. Vielmehr geben hier Aktienunternehmen, Banken, Fonds usw. den Ton an – deren Interessen jedoch zielen eindeutig auf bloße Gewinnmaximierung.

Aus diesem Grund werden Unternehmen wie Alcan/Constellium & Nycomed regelmäßig weiterverkauft. Ziel ist es oftmals, einen Konkurrenten auszuschalten – somit steigen die eigenen Produkte im Preis. Hierzu werden regelmäßig profitable Unternehmensteile übernommen und alle anderen abgestoßen. Im besten Fall heisst dies für die Mitarbeiter, dass ihr Unternehmensteil weiterverkauft wird – oder aber dass man Unternehmen einfach schließt.

In den letzen Jahrzehnten konnten die Unternehmen ihren Profit steigern, indem sie die Produktion rationalisierten. Da aber alle Unternehmen diese Entwicklungsschritte (Investitionen) mitgemacht haben und weiterhin verfolgen, ist der Wettbewerbsvorteil nur noch gering. Um jedoch die Rendite weiter zu steigern – und das jenseits von 10% – müssen Kosten gesenkt werden.

Da dies bei der Infrastruktur, den Maschinen oder im Einkauf kaum noch möglich ist, bleiben nur die Lohnkosten. Hiervon kann Alcan/Constellium sicherlich ein Lied singen.
Eine spezifisch deutsche Möglichkeit der Gewinnmaximierung ist die Leiharbeit. Neue Stellen werden erst gar nicht mehr mit einem Festangestellten besetzt sondern gleich mit einem Leiharbeiter. Leiharbeiter sind billiger, leichter zu entlassen, können sich gewerkschaftlich kaum wehren und vor allem: Sie sind schnell austauschbar. Und in der Hoffnung, vielleicht übernommen zu werden, leisten sie teilweise mehr als Festangestellte.

Diese Entwicklung wiederum sorgt dafür, dass die Festangestellten im letzten Jahrzehnt immer schlechtere Karten hatten bei Lohnverhandlungen: Sie haben eine billige und leistungsfähige Konkurrenz im eigenen Haus. Hat man sie verschlissen, werden sie einfach ausgetauscht. Diese Probleme werden sich unter den Druck der Arbeitgeber (und Investoren) zusehends verschärfen.

Eine weitere Option ist das Ausspielen der Werke gegeneinander. Gerade Alcan/Constellium ist in der Situation: Es mit gleichwertigen Werken konkurrieren, die international verteilt sind. Die Mitarbeiter werden um Ihre Arbeitsstelle erpresst, weil alle Werke die Lohnkosten senken sollen. Da jeder Angst um seine Arbeitsstelle hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Alcan/Constellium die Arbeitnehmer gegeneinander ausspielen kann, sehr groß. Lieber verzichten die Mitarbeiter auf etwas Lohn oder arbeiten zusätzliche Stunden ohne Lohnausgleich (was real einer Lohnkürzung gleichkommt) als ihre Arbeitsstelle zu verlieren.

Die einzige Chance, dieser Entwicklung entgegenzutreten, ist ein solidarischer Zusammenhalt aller Arbeitnehmer – und das über die Werkstore hinaus. Nur wenn sich die Arbeitnehmer in Singen und allen anderen Werken solchen Forderung entgegenstellen, können sie ihre bisherigen Errungenschaften sichern. Sollte nur einer aus der Reihe tanzen, haben alle Mitarbeiter schon jetzt verloren.
Da ein solcher Zusammenhalt aber mehr als unwahrscheinlich ist, ist die Chance der Arbeitgeber, die Lohnkosten zu senken, sehr groß.

Dabei muss aber gesagt werden, dass die Arbeitnehmer jeden Tag hart dafür arbeiten, damit die Arbeitgeber ihre Gewinne einfahren. Sollten sich also die Arbeitnehmer gegen diese Lohnkürzungen wehren und allesamt ihre Arbeit niederlegen, so  haben vor allem die Arbeitgeber den Schaden. Denn sie verfügen nicht über die Möglichkeit, alle Festangestellten mit einen Mal auszutauschen. Natürlich bestünde das Risiko, dass alle Werke geschlossen werden und somit alle Arbeitnehmer ihre Anstellung verlören.
Aber dann hätten auch die Investoren ihr gesamtes Kapital verloren – und genau das muss der Ansatzpunktpunkt sein für die Arbeitnehmer. Denn nur so sind wirklich alle Arbeitsplätze – über die Werksgrenzen hinaus – zu sichern.

Auch die regionale Politik ist entscheidend, denn das Unternehmen bzw. die Werke müssen an den jeweiligen Standorten Steuern zahlen. Da die Städte, Kreise und das Land um ihre Steuereinnamen bangen, kommen sie oft dem Unternehmen entgegen. Dies geht auf unterschiedliche Art und Weise, angefangen bei Steuersenkungen über günstige Kredite für Investitionen bin hin zu Subventionen. Alles nur, um die Arbeitsplätze zu sichern und wenigstens ein paar Steuern einzunehmen.
Das Problem bleibt leider aber das gleiche wie bei den Arbeitnehmern: Städte und Länder werden gegeneinander ausgespielt.

Die Politik hat keine wirklichen Möglichkeiten zur Rettung der Arbeitsplätze. Sie kann den Unternehmen ein paar Steuergeschenke machen – was immer schwieriger wird angesichts der Haushaltslage. Was soll die Politik schon machen, wenn einige wenige irgendwo auf der Welt beschließen, in Singen Arbeitsplätze zu vernichten?
Gar nichts kann sie tun. Es ist dennoch gut, wenn sich die Politik hinter die Mitarbeiter stellt und ihnen Mut macht. Die Arbeitgeber wissen natürlich, dass die Politik mittlerweile nichts mehr in der Hand hat, um bei diesen Entscheidungen ein Wort mitzureden.

Letztlich kann die Politik nur eines tun: Sie kann den Arbeitnehmern aufzeigen, welche Möglichkeiten sie haben, wenn sie ihre Arbeitsplätze retten wollen. Und das geht nur, wenn alle Arbeitnehmer absolut solidarisch zusammenhalten.

Die Chancen der Arbeitnehmer sind gering, die Politik ist handlungsunfähig. Eben darauf vertrauen die Investoren.

Ist also alles aussichtslos? Können sich die Arbeitnehmer überhaupt noch effektiv wehren? Ist die Politik wirklich so machtlos? Das wollen wir gerne mit ihnen diskutieren. Wir wollen den Alcan/Constellium & Nycomed Mitarbeitern Mut machen und zeigen, dass sie nicht allein da stehen. Wir wollen aufzeigen, welche Möglichkeiten die Politik hat, wenn sich die Verantwortlichen endlich trauen und sich nicht weiter erpressen lassen.

Kommen Sie zu unserer Diskussionsrunde am Donnerstag den 09.06.2011 um 19:30 Uhr, im Gasthaus Kreuz.