Landtagswahl 2011

Antworten auf Wahlprüfsteine Verdi zum Thema Kindertagesstättengesetz

Fragebogen zur Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg
Stichwort: Kindertagesstättengesetz

1. Wie stehen Sie zu der Forderung, mittels eines Kindertagesstättengesetzes allen Kindern gleiche Chancen für ihren Bildungserfolg und die Teilnahme in der Gesellschaft zu verschaffen.

Dem stimme ich voll und ganz zu. Alle Kinder sollen die gleichen Chancen bekommen, sich nach ihren eigenen Möglichkeiten zu entwickeln – unabhängig von Herkunft und sozialem Stand. Ein reines Kindertagesstättengesetzt wird aber nicht ausreichen, da wir grundsätzlich den Wert von Bildung in unserer Gesellschaft neu positionieren müssen. Wenn wir die Bedeutung von Bildung wirklich anerkennen, werden wir von selbst dafür sorgen, dass alle Kinder die gleichen Bildungschancen erhalten.

2. Wie stellen Sie sich dazu, gesetzlich eine verbindliche Fachkraft – Kind – Relation in den Tageseinrichtungen festzulegen in einem Verhältnis von 1 : 9 (eine Erzieherin : 9 Kinder) zzgl. eines Zuschlags von 15 % für Personalausfälle (Krankheit, Fortbildung, Sonstiges)?

Eine vernünftige Relation halte ich für sehr wichtig. Die Erzieherinnen müssen sich  regelmäßig um alle Kinder kümmern können. Sie haben ja nicht nur eine bloße Aufsichtspflicht oder sollen mit den Kindern spielen. Sie haben auch einen Bildungsauftrag, der gerade bei kleinen Kindern ein höheres Maß an Geduld, Einfühlungsvermögen, Verständnis und vor allem Zeit erfordert.

3. Wie stellen Sie sich zu der Forderung, in Kindertageseinrichtungen eine maximale Gruppengröße von nicht mehr als 20 Kindern festzulegen, wobei die Kinder von 0 – 3 Jahren für 2 Plätze und 3-6-jährige als 1 Platz angerechnet werden sollten?

Diese Forderung unterstütze ich. Bei zu großen Kindergruppen geht auch für mehrere Erzieher der Überblick leicht verloren. Die Gruppengröße muss daher den tatsächlichen Bedürfnissen angepasst sein; eine Größe von 20 Kindern erscheint mir dabei angemessen.
Die Gruppen für kleinere Kinder unter 3 Jahren sollten nicht größer sein, da die Fachkräfte hier noch viele zusätzliche Aufgaben wahrnehmen. Sie müssen nicht nur die Windeln wechseln oder die Flasche geben. Sie sollen die Kleinkinder auch fördern: Der Bildungsauftrag beginnt bei den ersten Entwicklungsschritten wie Laufen Lernen, aufs Töpfchen Gehen und dem selbständigen Trinken und Essen.

4. Von den Erzieher/-innen in Tageseinrichtungen wird ein hohes Maß an Fachlichkeit, emotionaler und sozialer Kompetenz erwartet. Unterstützen Sie die Forderung der Erzieher/-innen nach jährlich 10 Arbeitstagen für Fort- und Weiterbildung unter Fortzahlung der Vergütung?

Wir stehen grundsätzlich für eine kostenlose Bildung auch im Alter. Da die Weiterbildung von den Trägern gewünscht und vom Land gefordert wird, sollten die Kosten auch übernommen werden. Weiterbildung gehört zum Arbeitsalltag.
Hier meine ich nicht nur Kurzschulungen von bis zu 10 Tagen sondern auch Weiterbildungen, die sich über längere Zeit ziehen. Denn die Betroffenen nehmen dafür oft Einschnitte im Privatleben in Kauf und müssen diverse Bildungsausgaben aus eigener Tasche tragen. Da der Arbeitgeber profitiert, auch schon während der Weiterbildung, sollte er sich daran betteiligen.

5. Wir stehen zur inklusiven Pädagogik. Unterstützen Sie unsere Forderung nach einer gesetzlichen, verbindlichen Regelung, dass für Deckung des erhöhten Förderungs- und Pflegebedarfs der Tageseinrichtungen je behindertem Kind die entstehenden Kosten sowohl in personeller als auch in sachlicher Hinsicht ersetzt werden müssen?

Die Integration von behinderten Menschen liegt in gesellschaftlicher Verantwortung – Bisher haben wir es „geschafft“, diese Personengruppen durch Sondereinrichtungen auszugrenzen. Einrichtungen, die sich diesen Kindern widmen, müssen auch eine mehr als kostendeckende Finanzierung pro behindertem Kind erhalten.
Die Einrichtungen müssen das Inventar den einzelnen Behinderungsformen anpassen, der Betreuungsaufwand ist intensiver. Ein Gruppengröße von 9 Kindern wird daher teilweise kaum möglich sein. Zudem haben die Fachkräfte eine Fülle neuer Aufgaben: Sie müssen die Kinder zueinander bringen und Berührungsängste abbauen, sie müssen bei den Eltern Aufklärungsarbeit leisten.
Eine so gestaltete Integration erlaubt den behinderten Kinder, sich später in der Gesellschaft zu entfalten. Auch die gesunden Kinder nehmen dadurch Menschen mit Behinderungen anders wahr, was hilft, die Diskriminierung Behinderter abzubauen.

6. Unterstützen Sie die Forderung, in Kindertageseinrichtungen Familienzentren zu schaffen, in denen für die Eltern niederschwellig Hilfeleistungen aller Art angeboten werden können?

Grundsätzlich ja. Da es indes immer auf die jeweilige Nachfrage ankommt, sollte es eher einen Fördertopf geben, aus dem Dauer- wie Einzelprojekte an Kindertageseinrichtungen gefördert werden. Die Einrichtungen sollten autonom entscheiden, welche Unterstützung die Eltern wollen und brauchen und ihre Angebote danach ausrichten. Es versteht sich von allein, dass hier auch für einen finanziellen Ausgleich gesorgt werden muss.7. Unterstützen Sie die Forderung nach einem kostenlosen Besuch von Kindertageseinrichtungen zur frühkindlichen Bildung?

Wir sind grundsätzlich für eine kostenlose Bildung – vom Kindergarten bis hin zum Studium und zur Weiterbildung im Alter. Kinder sind bisher vom Einkommen der Eltern abhängig. Wir wollen dafür sorgen, dass sich die Eltern über die Finanzierung des Bildungsweges ihrer Kinder keine Sorgen mehr machen müssen.