Landtagswahl 2011

Distanzierung von der SED-Vergangenheit!

In Wahlzeiten kommt immer wieder die Forderungen auf, die Partei DIE LINKE solle sich von ihrer SED-Vergangenheit distanzieren. Eine pure Wahlmasche, um Wähler abspenstig zu machen.
Schon lange hat sich DIE LINKE von der DDR und damit von der SED-Vergangenheit verabschiedet. Die SED/DDR hat im Namen der „Demokratie“ unentschuldbare Verbrechen begangen. Und DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass ein solches System nie wieder an die Macht gelangt. Wir kämpfen für mehr Demokratie: Nur wenn die Bürger sich tatsächlich an ihrem Staat beteiligen, wird es kein neues SED-System geben. Eine Demokratie lebt von unterschiedlichen Meinungen. Wir können stolz sein, unterschiedlichste Parteien in den Parlamenten und Gemeinderäten zu haben. Es gibt keine Partei wie die SED, deren Machtposition erlaubt allein zu entscheiden, was für alle Bürger gut ist.
Wie sieht es in Baden-Württemberg aus?
Die LINKE besteht hier zum größten Teil aus ehemaligen SPD-Mitgliedern (WASG-Abspaltung), Ex-Grünen aber auch aus Ex-Parteigängern der CDU. Natürlich gibt es Mitglieder aus den neuen Bundesländern, die sich aber ebenso von der DDR-Vergangenheit distanzieren. Wenn aber das Gros der Mitglieder aus den anderen Parteien und aus Baden-Württemberg kommt – warum kann man dann von unseren Mitgliedern einfordern, sie mögen sich von einer Vergangenheit distanzieren, die gar nicht die ihre ist? Eine scheinheilige Forderung! Alle Parteien sollten sich mit der DDR-Vergangenheit auseinandersetzen, da alle Parteien Mitglieder aus den neuen Bundesländern haben. Eine Aufarbeitung der DDR-Greuel geht alle an, nicht nur eine Partei.
Wie sieht’s bei mir aus? Ich komme aus den neuen Bundesländern. Aber bei der „Wende“ war ich gerade 10 Jahre alt. Die politischen Geschehnisse habe ich nur am Rande realisiert und nicht wirklich wahrgenommen. Ich war sogar sauer, weil ich mein rotes Halstuch (als Jungpionier trug man ein blaues, und später bekam man ein rotes Halstuch) nicht mehr bekommen habe! Erst Jahre später verstand ich, was in der DDR passiert ist und was es mit den Jungpionieren auf sich hatte.
Dies war einer der Gründe, warum ich mich für ein politisches Engagement entschieden habe: Um alles zu tun, damit ein DDR-System nie wieder an die Macht kommt. Damals schaute ich mir alle Parteien an; nur bei der LINKEN fühlte ich mit meinen sozialen Vorstellungen zu Hause. Hier konnte und kann ich mich frei entfalten, meine Sicht auf gesellschaftliche Probleme einbringen und zur Diskussion stellen.
Darum: Eine Distanzierung von der SED ist für mich selbstverständlich. Auch wenn diese Frage angesichts der Mitgliederstruktur in Baden-Württemberg eher irrelevant ist.
Die DDR-Vergangenheit ist ein Teil der deutschen Geschichte, mit der sich alle Bürger, ob aus dem Osten oder Westen, beschäftigen sollten. Daher lade ich alle anderen Parteien ein, gemeinsam unsere Vergangenheit aufzuarbeiten.