Kreistag - Anfragen

Ich gehe arbeiten – aber ab wann steht mir was zu? Wohngeld oder Arbeitslosengeld 2? Oder habe ich doch zuviel Einkommen?

Diesen Frage bin ich beim Landratsamt Konstanz nachgegangen. Leider konnten mir weder die Wohngeldstelle noch das Job Center Antworten geben. Begründung: Es handele sich um Einzelfälle handelt, vergleichbare Zahlen seien nicht verfügbar.

Diese Antwort finde ich unverschämt, da es grundsätzlich möglich ist, diese Einkommen zu berechnen. Es ging nicht um eine individuelle Situation, sondern um klare und nachvollziehbare Kriterien.

Die Eltern sind Arbeitnehmer, nicht verheiratet und daher in der Lohnsteuerklasse 1, hinzu kommen die Kinder, die bei meiner ursprünglichen Anfrage alle drei Altersstufen beim Job-Center durchlaufen. Das Einkommen wird einmal auf nur einen Elternteil angerechnet und beim zweiten Mal auf beide Eltern. Mit diesen festen Basiswerten sollen die maximalen Zuschüsse beim Job-Center (Freibeträge) oder bei der Wohngeldstelle (Mietzuschuss) erechnet werden. Somit wäre ein grundsätzlicher Vergleich möglich gewesen. Dass ich hier keine Antwort bekommen habe, halte ich ein für Unverschämtheit da, zumindestens beim Job- Center eine Berechnung möglich ist, beim Wohngeld fehlen mir gewisse Grundinformationen. Siehe dazu die Tabelle am Ende des Beitrags.

Aber worum geht es? Es gibt viele Familien, die zwar über Einkommen verfügen, jedoch nicht wissen, dass ihnen staatliche Unterstützung zusteht. Es ehrt die Eltern, wenn sie den Kindern ein gutes Vorbild sein wollen und zeigen, dass es auch ohne staatliche Abhängigkeit geht. Aber bei den Zuschüssen durch Wohngeld oder ergänzendes ALG 2 geht es nicht darum, auf „Kosten des Staates“ zu leben.

Vielmehr sind die Zuschüsse zur Deckung des Grundbedarfs einer Familie gedacht, wenn diese durch eigene Arbeit hierzu außerstande ist. Dabei muss man zunächst betonen, dass nach Auffassung der Partei DIE LINKE diese Sätze viel höher sein müssten. Jenen Familien soll durch solch einen Zuschuss der Alltag erleichtert werden: Sie sollen zumindest das Grundlegende bezahlen können, z.B. Schulmaterial, den Klassenausflug, Kleidung, aber auch eine angemessene Wohnung usw.

Wenn solche Familien nun gar nicht wissen, ob Sie überhaupt einen Anspruch haben, so können und werden sie natürlich bei der Wohngeldstelle oder dem Job-Center auch keinen Antrag stellen. Oder sie schauen in einen der Hartz IV-Rechner im Internet nach. Wenn Sie keinen Anspruch haben, wird das Job-Center ihnen dies schon mitteilen. Aber was ist, wenn mir ein Zuschuss zusteht, wo gehe ich dann hin? Als Arbeitnehmer würde ich Ihnen die Wohngeldstelle empfehlen, aber stehen Sie sich damit wirklich besser? Denn die Arge berechnet den Anspruch vollkommen anders.

Genau dieser Frage möchte ich nachgehen und Ihnen eine Entscheidungshilfe bieten. Denn nach meinen bisherigen Erfahrungen ist es nicht eindeutig geklärt, womit Sie als Arbeitnehmer besser fahren. Da dies aber vor allem Familien betrifft und ich besonders an das Wohl der Kinder denke, sollten Sie sich schon Gedanken machen, wie Sie Ihrer Familie am besten helfen können.

Denken Sie bitte daran, dass grundsätzlich der höhere Anspruch ausgezahlt wird. Wenn Sie beim Job-Center 200,- bekämen und die Wohngeldstelle Ihnen 250,- zahlen würde, wäre natürlich für Sie das Wohngeld vorrangig. Aber oft kommt es vor, dass weder Wohngeldstelle noch Job-Center genau sagen können, wo Sie besser stehen. Sie können natürlich auch bei beiden einen Antrag stellen – auch nachträglich, wenn eine der beiden Behörden Ihren Antrag ablehnt oder der Betrag geringer ist.

Aus diesem Grund sollten Sie sich gut überlegen, wo Sie einen Antrag stellen. Bei beiden Behörden müssen Sie finanziell „die Hosen runter lassen“, beim Job-Center sogar mehr noch als bei der Wohngeldstelle. Wenn Sie Wohngeld bekommen denken Sie auch daran an zu fragen, ob Ihnen der Kinderzuschlag zusteht. Beim ALG 2 müssen Sie dafür mit zusätzlichen Forderungen des Job-Centers rechnen. Zusätzliche Einladungen, Eingliederungsvereinbarungen usw. usw. usw.

Sie haben aber auch Anspruch auf zusätzliche Leistungen wie z.B. Kostenübernahme bei Klassenfahrten, das neue Bildungspaket, günstigeren Eintritt bei kulturellen Einrichtungen (Museum, Schwimmhallen, usw.); Einkäufe bei der Tafel wie auch erhöhte Heizkosten (Nebenkosten) werden übernommen usw. Was bei einen Unterschied von € 20-30,- zum Wohngeld sich mehrfach rechnen kann.

Da ich keine Antwort erhalten habe, habe ich mir die Mühe gemacht, Ihnen einen grundsätzlichen Vergleich anzubieten.

Durch die Komplexität der Materie, ist es mir leider unmöglich, den Vergleich einfacher zu halten, aber ich hoffe, dass Sie mithilfe der unten stehenden Erklärungen die Tabelle nachvollziehen können. Grundsätzlich spielt es keine Rolle, ob Sie verheiratet sind oder nicht, da Sie sich nach Ihrem Nettogehalt richten können. Sollten Sie verheiratet sein, würde Ihr Bruttogehalt etwas niedriger sein als in der Berechnung. Sie können der Tabelle entnehmen, wieviel Sie verdienen dürfen, um die maximale Förderung beim Job Center zu erhalten. Sollten Sie mehr verdienen, so können Sie der Tabelle (Maximales Nettoeinkommen 2) entnehmen, ab welcher Summe Sie keinen Anspruch mehr auf Unterstützung haben. Die Zahlen im Bereich Job-Center sind die festen Werte, die jedem Hilfesuchenden zustehen, nur die Miethöhe weicht von Region zu Region voneinander ab.

Um einen Vergleich zum Wohngeld & Kinderzuschlag im Ansatz zu gewährleisten, habe ich mithilfe eines Wohn- und Kinderzuschlagsrechners im Internet entsprechende Werte errechnen lassen. Somit haben Sie grundsätzlich die Möglichkeit zu vergleichen, wo ein Antrag für Sie am meisten Sinn ergibt. Leider muss ich Ihnen aus Erfahrung anderer Hilfesuchender sagen, dass insbesondere die Ergebnisse bei der Wohngelstelle erheblich von den errechneten Zahlen abweichen können. Sollte dies der Fall sein, können Sie aus der Tabelle ersehen, ob Sie nicht vieleicht doch einen Antrag beim Job-Center stellen sollten.

DIE VERGLEICHSTABELLE

Alle Angaben sind nur pauschalisiert, die Mieteobergrenze ist regional unterschiedlich. Auch Zusatzleistungen kann ich in diesem Vergleich nicht berücksichtigen, er soll Ihnen nur als Orientierungswert dienen.

Tabelle Vergleich ALG II und Wohngeld