Landtagswahl 2011

Wahlprüfstein – Blinden- und Sehbehinderten Verein Süd-Baden e.V

Sehr geehrte Damen und Herren,

unten finden Sie eine Anfrage. Bitte beteiligen Sie sich an der Aktion.

Fragen der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe in Baden-Württemberg  zur Wahl des Landtages am 27.03.2011  an die Parteien und deren Kandidatinnen und Kandidaten.

In Baden-Württemberg leben weit mehr als 50.000 Menschen, die blind oder sehbehindert sind. Wir werben intensiv bei den blinden und sehbehinderten Mitbürgerinnen und Mitbürgern in ganz Baden-Württemberg, dass diese von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, um die Zusammensetzung des baden-Württembergischen Landtags mitzubestimmen und damit auch ihren behinderungsbedingten Belangen Geltung zu verschaffen.

Um den blinden und sehbehinderten Wählerinnen und Wählern eine Entscheidungshilfe zu geben, stellen wir den zur Wahl stehenden Parteien und deren Kandidatinnen und Kandidaten Fragen zu drei Themenbereichen.

Über Ihre Antworten wollen wir sowohl aktuell und barrierefrei im Internet, als auch in unseren Publikationen und in Mitteilungen an die Medien berichten.

Ihre Antworten auf unsere Fragen werden direkt in unserem Internetauftritt eingestellt. Sie brauchen nur auf diese E-Mail mit dem Antwort-Buton Ihres E-Mail-Programmes zu reagieren und Ihre Stellungnahme abzufassen.

Die Antworten werden dann direkt eingestellt und sind stellvertretend abrufbar über die Links der Landesvereine: www.bbsvvmk.de; www.bsv-wuerttemberg.de; und www.bsvsb.org.

Inklusion
Die UN-Konvention Für Menschen mit Behinderung ist im März 2009 in Deutschland in Kraft getreten. Für den Personenkreis blinder und sehbehinderter Menschen hat § 24 besonderes Gewicht. Dabei muß Inklusion das gesellschaftliche Zusammenleben von behinderten und nicht behinderten Menschen beinhalten. Dies betrifft nicht nur die Bildung, sondern die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Bei der inklusiven Bildung sehen wir die Notwendigkeit,

–          Dass bei der Beschulung behinderter Kinder an Regelschulen zusätzliches, entsprechend qualifiziertes pädagogisches Fachpersonal zur Verfügung steht.

–          Daneben muß die Beschulung an pädagogischen Sonderschuleinrichtungen auch weiterhin gewährleistet bleiben.

Die Arbeiten für einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Konvention sind auch in Baden-Württemberg angelaufen.

Frage:
Wie stellen Sie sich die Einbindung inklusiver Bildung in den Aktionsplan und in das pädagogische Gesamtkonzept des Landes Baden-Württemberg vor?

Die Einbindung von Behinderten in den normalen Schulbetrieb erachte ich als Kernbestandteil ihrer Integration in die Gesellschaft. Nur wenn gesunde und behinderte Kinder gemeinsam aufwachsen, werden Hemmungen, Vorurteile und Berührungsängste abgebaut. Es gibt viele körperliche Behinderungen, die zwar die Personen einschränken, mit entsprechender Unterstützung aber eine Teilnahme am normalen Unterricht erlauben.
Dazu müssen jedoch alle Schulen behindertengerecht ausgestattet werden. Auch die Lehrkräfte müssen besonders geschult sein, um auf die Behinderung des jeweiligen Kindes eingehen zu können.
Ziel muss es in jedem Fall sein, Kindern mit Behinderung die Teilhabe am Leben und der Schule so zu gestalten, dass sie nicht anders behandelt werden als andere Kinder, gleichwohl aber die Unterstützung bekommen, die sie ihrer Behinderung wegen benötigen.
Ebenso nötig sind entsprechende Sonderschulen, die sich auf die Bedürfnisse behinderter Kinder einstellen . Auch hier muss die Perspektive eine vollständige Integration in die Gesellschaft sein verbunden mit der bestmöglichen, in hohem Maße individualisierten Ausbildung.
Da alles dies nur möglich ist mit mehr und vor allem gut ausgebildetem Personal , sind zusätzliche finanzielle Mittel für die Ausstattung der Schulen unabdingbar.

Wie kann die Teilhabe behinderter Menschen an der Gesamtheit des bürgerschaftlichen Zusammenlebens verbessert werden?

Ein Problem sind sicherlich die Berührungsängste mit Behinderten – Behinderte fühlen sich so oftmals ausgegrenzt, bemitleidet oder unverhältnismäßig bevormundet. Durch eine öffentliche Kampagne ist hier nur schwer Abhilfe zu schaffen.
Umso wichtiger ist hier die Kindheit: Wachsen unsere Kinder gemeinsam mit behinderten Kindern  auf, dann werden Sie einer Behinderung auch im Erwachsenenalter unvoreingenommen gegenübertreten.
Im baulichen Bereich muss es zur Regel werden,  Gebäude behindertengerecht zu gestalten.

Barrierefreier Zugang zu öffentlichen Einrichtungen
Im Ramen der Schaffung von mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum liegen komplexe Aufgaben vor Politik, Verwaltung und Gesellschaft. Heute wird zwar barrierefrei gebaut, dabei entstehen aber oft nur Insellösungen. Anzustreben sind statt dessen integrierte Gesamtkonzepte.

Barrierefreiheit ist aber nicht nur auf baulichem Sektor erforderlich. Vielmehr ist die Gesamtheit menschlichen Zusammenlebens barrierefrei zu gestalten. Dazu gehören beispielhaft

–          Berücksichtigung der Interessen behinderter Menschen bei baulichen Großprojekten in Baden-Württemberg, wie „Stuttgart 21“;

–          Die Einbindung der Interessen blinder und sehbehinderter Menschen bei der Neu- und Umgestaltung öffentlicher Verkehrsräume (z.B. Straßenquerungen, Bahnhöfe, Gebäude)

–          der Zugang Behinderter zum IT-Bereich;

–          vermehrte Ausstattung von Fernsehfilmen, Theater- und Opernaufführungen mit Audiodeskriptorischen Beschreibungen und Gebärdensprache.

Frage:
Werden Sie in baulichen Bereichen unsere Forderungen unterstützen?
Werden Sie sich  in Rundfunk- oder Theaterbeiräten für vermehrte barrierefreie Teilhabe behinderter Menschen am kulturellen Leben einsetzen?

Beide Fragen kann ich uneingeschränkt bejahen. Einzig  wenn für Behindertet in allen Lebensbereichen die baulichen Voraussetzungen erfüllt sind, können sie sich tatsächlich frei in unserer Gesellschaft bewegen. Dass dies den kulturellen Bereich einschließt, versteht sich von allein. Aus diesem Grund sind gerade Projekte finanziell zu unterstützen, die für behinderte Menschen besonders geeignet sind.

Finanzieller Nachteilsausgleich für Menschen mit BehinderungLandesblindenhilfe

Durch Landesgesetze werden unterschiedliche Nachteilsausgleiche für Menschen mit Behinderung gewährt. Wie in allen Bundesländern, erhalten auch in Baden-Württemberg, blinde Menschen einen finanziellen Nachteilsausgleich. Dieser dient zu einer teilweise Kompensation der doch sehr hohen Kostenaufwendungen, welche blinde Menschen erbringen müssen um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können und die Teilhabe an der menschlichen Gesellschaft zu praktizieren.

Frage:
Werden Sie sich für die Erhaltung und Verbesserung der finanziellen Nachteilsausgleiche für behinderte menschen, insbesondere für die Beibehaltung der einkommens- und vermögensunabhängigen Landesblindenhilfe einsetzen?

Ich musste selbst einige Jahre wegen meiner Augen mit sehr starken Einschränkungen leben. Daher weiß ich um die Bedeutsamkeit dieses Nachteilsausgleichs. Er reicht allerdings nicht aus. Behinderte haben es schwerer, eine Anstellung mit angemessenem Lohn zu finden. Also muss der Nachteilsausgleich auch eine tatsächliche Verbesserung darstellen. Behinderte, die keiner Arbeit nachgehen können, müssen einen Anspruch haben, der höher zu veranschlagen ist als Hartz IV & Sozialhilfe.
Für die behinderten Arbeitnehmer muss sichergestellt sein, dass nicht nur die Mehrkosten für die Behinderung getragen werden, sondern auch die Lohneinbußen, die der Behinderung geschuldet sind.