Landtagswahl 2011

Wahlprüfstein, Familienbund der Katholiken, Landesverband Baden-Württemberg

Familienbund der Katholiken, Landesverband Baden-Württemberg,
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Telefon 0761 / 5144-204,
Telefax 0761 / 5144-76204
familienbund@ seelsorgeamt-freiburg.de
www.familienbund-freiburg.de

1. Durch viele Bundes- und landespolitische Maßnahmen kommen zusätzliche Kosten auf die Kommunen zu. Daher sind wir als Familienbund der Überzeugung, wenn das Land Familien betreffende Aufgaben der Kommunen
(wie Kinderbetreuung U3 und Ü3, Ganztagesbetreuung im Hort und in der Schule, Schülerbeförderung, Schulsozialarbeit etc.) stärken will, diese deutlich mehr Geld dafür benötigen !

  • Wie sehen Sie das und wie werden Sie sich dafür einsetzen?

Wir stehen grundsätzlich für eine kostenlose Bildung – angefangen bei der Kita über die Schule bis hin zum Studium. Bisher sind die Kinder sehr vom Einkommen der Eltern abhängig. Gerade auf kommunaler Ebene, wo die Bildungsangebote angeboten und umgesetzt werden, müssen die Gemeinden jeden Euro zweimal umdrehen. Somit sind viele Angebote nur durch Zuzahlung der Familien überhaupt finanzierbar.
Um diese Angebote kostenlos zu gestalten, benötigen wir mehr Geld im Bereich der Bildung. Hier kann unsere Forderung nach der Vermögenssteuer ins Spiel kommen oder die Anhebung der Körperschaftssteuer. Aber auch durch die Abschaffung unseres Subventionssystems würden viele Millionen für die Bildung frei werden.

2. Bildungspolitik ist eines der zentralen landespolitischen Themen. Familien sind umfassend von den entsprechenden Entwicklungen betroffen :

  • Sollten Kinder, wie in den „erfolgreichen“ skandinavischen Ländern üblich, länger gemeinsam lernen
    (z.B. 6, 8 oder 10 Jahre)?
  • Welchen Sinn sehen Sie darin, Schul- und Ausbildungszeiten zu verkürzen (z.B. Einschulung mit 5 Jahren, G8 Gymnasium, Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge)?
  • Immer wieder wird betont, dass wir in Deutschland (Baden-Württemberg) ein selektives Bildungssystem haben, welches nicht in der Lage ist, alle, insbesondere Menschen in benachteiligten Lebenssituationen, optimal und im Sinne der Chancengerechtigkeit zu fördern. Für welche Maßnahmen stehen Sie, um diese Problematik zu vermindern?

Ja, Kinder sollten länger gemeinsam lernen. Es stärkt die soziale Kompetenz der Kinder, wenn sie mit lernstarken, lernschwachen und auch mit behinderten Kindern aufwachsen. Dennoch muss darauf geachtet werden, dass die Kinder ganz nach ihren individuellen Begabung gefördert werden; dies dann aber nicht mehr in einem Klassenverbund sonder eher in offenen Gruppen. Somit kann ein Kind eventuell auch eine Klassenstufe überspringen oder in einem Fach ein Jahr zurückliegen, ohne das Schuljahr wiederholen zu müssen. Dies ist nur in einem Schulsystem möglich, in dem die Kinder lange zusammen lernen.

Daher lehne ich die Verkürzung von Ausbildungswegen pauschal ab. Erstens sollen Kinder auch Kinder sein dürfen, wozu auch die Kindergarten Zeit gehört. Zweitens: Beim Abitur soll sich die Lernzeit an den Leistungen der Schüler orientieren und nicht an einer uniformen Schulzeit.
Es geht bei diesen Verkürzungen nur darum, Geld im Bildungssystem zu sparen und die Kinder schneller für die Wirtschaft fit zu machen.

Durch unser selektive Bildungssystem schaffen wir erst die Ausgrenzung von Menschen, die nicht in das Raster passen. Aus diesem Grund setzen wir uns für ein Bildungssystem mit längerem gemeinsamem Lernen ein. Hier besteht nach unseren Modell die Möglichkeit, auf die Besonderheiten eine jeden Einzelnen einzugehen.

3. Neue und tatsächliche Partizipation und Beteiligung an politischen Entscheidungen sind spätestens seit den Ereignissen um Stuttgart 21 eine aktuelle Aufgabe für politische Entscheidungsträger.

  • Welche neuen, veränderten oder verbesserten Wege sehen Sie, um unsere Demokratie lebendiger und wirkungsvoller zu gestalten?
  • In welcher Weise werden Sie dafür eintreten?

Ich stehe für eine Demokratie die vom Volke ausgeht – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es muss den Bürgern erleichtert werden, ein Volksbegehren und einen Volksentscheid durchzuführen.

Aber Politik fängt schon viel früher an: In der Schule müssen Kinder lernen, was Demokratie bedeutet, müssen lerne, dass sie sich in Ihrer Schule aktiv einbringen können. Ebenso beim Jugendparlament: Die Jugendlichen müssen ein reales Mitbestimmungsrecht in der Gemeinde bekommen, insbesondere bei den Themen, die sie unmittelbar betreffen.

Ich befürworte auch das Wahlrecht ab dem 16. Lebensjahr. Jugendliche sollen und müssen sich mit ihrer Gesellschaft befassen. Hierfür zu sorgen ist die Aufgabe von Eltern, Lehrern und Politik. Vor allem die Politik hält junge Mensch oft für außerstande Entscheidungen zu treffen und schließt sie daher vom Wahlrecht aus. Grundsätzlich traut ja die Politik dem Bürger weniger zu als den Abgeordneten in den Parlamenten – die aber seltsamerweise oft normale Berufe erlernt haben wie viele andere Bürger auch.

Die Politiker selbst müssen lernen, die Themen an die Bürger heranzutragen. Ich vertraue darauf: Wenn die Bürger die Möglichkeit besitzen, eine Entscheidung zu treffen, dann werden sie sich mit der Materie auch genau auseinandersetzen.